Was ist eine städtische Wärmeinsel?
Städte sind in Sommernächten oft mehrere Grad wärmer als das Umland. Warum das so ist, und was es fürs Lüften deiner Wohnung bedeutet.
Städte wie Berlin können in Sommernächten mehrere Grad wärmer sein als das Umland. Asphalt, Beton und dunkle Dächer speichern tagsüber Wärme und geben sie nach Sonnenuntergang wieder ab. Dieses Muster nennt man eine städtische Wärmeinsel, und es ist der Grund, warum deine Wohnung warm bleiben kann, während das Land ringsum längst abgekühlt ist.
Warum Städte Wärme halten
Vier Dinge summieren sich, und keines davon lässt sich in dichter Bebauung vermeiden.
Dunkle, dichte Oberflächen. Asphalt und Beton nehmen viel Sonnenenergie auf und halten sie fest. Ein Straßenbelag kann am Nachmittag deutlich über 50 °C erreichen und strahlt um Mitternacht immer noch Wärme ab.
Sehr wenig Vegetation. Pflanzen beschatten den Boden und geben beim Verdunsten Wasserdampf ab, was die Luft ringsum kühlt. Eine Straße aus nacktem Pflaster tut weder das eine noch das andere.
Abwärme. Verkehr, Industrie, Gebäude und Klimageräte leiten ihre Wärme alle in dieselben Straßen ab. Klimaanlagen sind ein besonders unangenehmer Fall: Sie kühlen eine Wohnung, indem sie deren Wärme plus die dafür aufgewendete Energie nach draußen schieben, dorthin, wo alle anderen laufen.
Blockierter Luftstrom. Hohe Gebäude auf beiden Seiten einer engen Straße halten die abgestrahlte Wärme fest und bremsen den Wind, der warme Luft sonst nach oben mischen würde. Fachleute nennen das eine Straßenschlucht, und sie ist sehr wirksam darin, Wärme an Ort und Stelle zu halten.
Nachts tut es weh
Tagsüber sind die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land oft überschaubar. Der Abstand öffnet sich nach Sonnenuntergang, wenn offenes Land seine Wärme schnell an einen klaren Himmel abstrahlt und die Stadt genau das nicht kann, weil ihre Oberflächen noch abgeben, was sie tagsüber aufgenommen haben.
Das ist exakt der falsche Zeitpunkt für alle, die auf Nachtlüftung angewiesen sind. Deine Kühlstrategie hängt davon ab, dass die Außenluft lange genug unter die Innenluft fällt, und eine Wärmeinsel verkürzt dieses Fenster von beiden Seiten: Es beginnt später und endet früher.
Wo du es in deiner eigenen Wohnung spürst
- Balkone über aufgeheizten Straßen bleiben bis weit in den Abend warm, die “kühle” Luft, die du durch dieses Fenster hereinholst, ist also nicht so kühl, wie die Vorhersage vermuten lässt
- Begrünte Höfe sind meist mehrere Grad kühler als die Straßenfassade desselben Hauses, was sie zur besseren Zuluftseite macht
- Obergeschosse und unbeschattete Dächer nehmen die volle Tageslast auf und strahlen die ganze Nacht nach unten in die Räume darunter
- Erdgeschosse an schattigen Straßen bleiben oft spürbar kühler als die Wohnungen darüber
Die praktische Folge: Wenn du Fenster auf mehreren Seiten hast, ist die grünere, schattigere, geschütztere Seite meist die richtige Zuluft. Siehe wo der Ventilator hingehört.
Was eine Stadt kühlt, und deinen Block
- Mehr Bäume und Bepflanzung entlang von Straßen, Plätzen und Schulhöfen
- Weniger nackter Beton, dafür Schatten, durchlässige Böden und kleine Parks
- Helle Oberflächen und reflektierende oder beschattete Fassaden auf den Sonnenseiten
- Begrünte Dächer und bepflanzte Höfe statt wärmespeicherndem Asphalt
Diese App hilft dir in deiner Wohnung. Deine Straße und dein Viertel zählen ebenfalls, und darüber wird anderswo entschieden: siehe Hitzewellen und politische Entscheidungen.